Förderung der Schülerinnen und Schülern an der Hermann-Schmidt-Schule

An der Hermann-Schmidt-Schule wird der Schüler gefördert, der ein besonderes Förderbedürfnis im Bereich der geistigen Entwicklung hat.

Dieser Förderbedarf im Bereich der geistigen Entwicklung liegt bei den Schülerinnen und Schülern in sehr unterschiedlicher gradueller Ausprägung vor und ist nicht auf einzelne Persönlichkeitsbereiche begrenzt.

Mit den sehr unterschiedlichen Beeinträchtigungen oder Syndromen treten häufig damit einhergehende Wahrnehmungsstörungen, Sinnesschädigun­gen, Kommunikations- und Sprachstörungen, Hyperaktivität, Bewegungs­beeinträchtigungen, Körperbehinderungen, Stoffwechselerkrankungen, Psychosen, Neurosen oder Anfallsleiden auf, die bei der Erziehungs- und Unterrichtsarbeit Berücksichtigung finden müssen.

Die zu fördernden Schülerinnen und Schüler der Hermann-Schmidt-Schule lassen sich in folgendem Schaubild darstellen:

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Um einem einzelnen Schüler / einer einzelnen Schülerin in all diesen Aspekten gerecht zu werden, ist eine begleitende Förderdiagnostik notwendig, die zum Ziel hat, das Wahrnehmungs-, Lern- und Umgangsverhalten des Kindes oder Jugendlichen zu verstehen und Kriterien für die Entwicklung einer adäquaten Förderung zu finden.

Die Diagnostik (Testdiagnostik und prozessbegleitende Diagnostik) stellt bei jedem Kind den spezifischen Förderbedarf in den elementaren Bereichen der Entwicklung (Motorik, Sensorik, Sozialverhalten, Emotionalität, Motivation, Lern- und Arbeitsverhalten, Kommunikation / Sprache, Kognition / Denken) fest.

Die unterrichtliche Festsetzung des festgestellten individuellen Förderbedarfs geschieht durch Erfahrungen und Begegnungen in und mit lebensbedeutsamen Alltags- und Umweltsituationen (wie z.B. Lebenspraktisches Training und Erfahrung der Sachumwelt) zum Ausbau der persönlichen Kompetenzen des Schülers.

In diesem Zusammenhang ist die Entwicklung und Fortschreibung von individuellen Förderplänen für jedes Kind unverzichtbar, weil somit dem Anspruch auf Individualisierung jedes einzelnen Kindes Rechnung getragen wird und bei Lehrerwechsel Kontinuität gewährleistet ist.

Im Rahmen des für unsere Schülerinnen und Schüler festgestellten Förderbedarfs der geistigen Entwicklung und des daraus resultierenden Leitziels "Selbstverwirklichung in sozialer Integration" erwachsen für die schulische Förderung unterschiedliche Förderbereiche. Diese werden in ein pädagogisches Gesamtkonzept eingebettet und in einem ständig zu aktualisierenden individuellen Förderplan dokumentiert. Hier erfolgt eine Gewichtung einzelner Fördernotwendigkeiten für den jeweiligen Schüler.

Die Schwerpunktbildung kann sich über einen gewissen Zeitraum erstrecken oder kontinuierlich während der gesamten Schullaufbahn verfolgt werden. In allen Bereichen benötigen die Schülerinnen und Schüler Angebote, die über eine Anbahnung und Entwicklung zu einer Stabilisierung und Ausdifferenzierung der betreffenden Fähigkeiten und Fertigkeiten hinführen. Es können sowohl einzelne Unterrichtsvorhaben und -sequenzen unter dem jeweiligen Förderschwerpunkt stehen als auch Einzelfördermaßnahmen. Darüber hinaus können aber auch Schüler mit ähnlichen Förderbedürfnissen in einem bestimmten Bereich (z. B. der Wahrnehmung) zu Gruppen oder Arbeitsgemeinschaften zusammengefasst werden, bei denen die Förderung (hier der Wahrnehmung) den Schwerpunkt bildet.

Der Unterricht umfasst alle Lernsituationen, die sich im Klassenzimmer, im Schulgebäude, auf dem Schulgelände und unter Aufsicht auch außerhalb des Schulgeländes ereignen. Dem Lernverhalten des Schülers mit dem Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung muss durch differenzierende Maßnahmen im Unterricht Rechnung getragen werden. Der Unterricht wird in der Regel handlungsbezogen und projektorientiert sein und entspricht so seinem praxisgeleiteten und situationsverhafteten Lernen. In wirklichkeitsnaher und lebenspraktischer Weise lernen die Schüler auf verschiedenen Lernwegen (Besprechen, Bewegen, Fühlen, Hören, Sehen, Schmecken...). Ein solches „Lernen mit allen Sinnen“ findet sowohl in der lebenskundlichen Orientierung statt als auch im Bereich „fachorientierter Lehrgänge“, zu denen der Erwerb der Kulturtechniken wie Lesen, Schreiben und Rechnen genauso gehört wie das Erlernen hauswirtschaftlicher Kenntnisse und das Werken mit Ton, Holz und Metall oder Religionslehre, Musik, Sport und bildnerisches Gestalten.

Singen ist die Ursprache des Menschen“ (Jehudi Menuhin) und an der Hermann Schmidt Schule wird viel gesungen.

Eine Gruppe von gut 20 Schülerinnen und Schülern tut dies in besonderer Weise. Einmal in der Woche übt der Schulchor seit dem Jahr 2013 unter der Leitung von Frau Weber und Frau Avramovich Lieder in verschiedenen Sprachen und zu unterschiedlichsten Anlässen ein. Eine Stunde harte Chorarbeit in der Woche, in der die Stimme geschult, der Text geübt, das gemeinsame Zuhören trainiert wird und in der immer ganz viel Freude an der Musik spürbar ist.

Das merken dann vor allem die Zuhörer bei Schulfeiern, Einschulungen, in den Gottesdiensten oder bei kleineren Konzerten im Jahreskreis. Ganz nach dem Motto unseres Einsingliedes: „Fang zu singen an, steckst du andere an. Wenn du singst singen andere mit…“

Hier kann man einen kleinen Einblick bekommen:

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Eine Hörübung (2013) Bei der Probe (Oktober 2015)

Der Chor beginnt und endet mit einem gemeinsamen Liedritual, jeder ist wichtig und jede Stimme wird gebraucht. Beim Einsingen können die Übungen auf die einzelnen Förderbedürfnisse abgepasst werden, Haltung, Atmung, Artikulation und Körpererleben werden hier bewusst hervorgehoben. Beim Arbeiten an den einzelnen Stücken ist durch unterschiedliche Schwerpunktsetzungen Konzentration und Ausdauer gefragt, wenn etwa am Tempo, an der Dynamik oder am Ausdruck gearbeitet wird. Das Singen der Stücke bringt durch das Erleben des Klanges große Motivation. Letztendlich motiviert die Schüler der Applaus bei einem Auftritt und stärkt so ihr Selbstbewusstsein.

 

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Einsingen (2017)

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Adventskonzert (2019)

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Warten auf den Auftritt bei „Klasse! Wir singen“ 2020 in Gütersloh

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„Klasse! Wir singen“ 2020 in Gütersloh

 

Mehr zu unserem Schulchor finden Sie in diesen Beiträgen:

Klasse wir Singen!

Schulchor: Einstimmung in die Weihnachtszeit

Chorkonzert

Wer war unser Namensgeber Hermann Schmidt?

Diese Bild- oder Mediendatei ist gemeinfrei, weil ihre urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen istJoseph Hermann Schmidt wurde am 14. Juni 1804 als Sohn des Arztes Joseph Schmidtin Paderborn geboren. Er studierte in Göttingen, Bonn, Heidelberg und Berlin Medizin und praktizierte nach seiner Promotion und der Staatsprüfung seit 1826 in seiner Heimatstadt.

Zwei Jahre später wurde er Direktor des Paderborner Landeshospitals und 1834 Leitung des neuen Hebammen-Lehrinstituts. Im Jahr 1838 wurde er zum Physicus ernannt. Später arbeitete er für das Ministerium der geistlichen, Unterrichts- und Medizinangelegenheiten in Berlin, wo er 1844 Sonderprofessor der Geburtshilfe und Direktor der Geburtsabteilung der Charité wurde.

Joseph Hermann Schmidt starb am 15. Mai 1852 an einer Lungenblutung in Berlin. Sein Grab befindet sich auf dem Alten Domfriedhof der St.-Hedwigs-Gemeinde in Berlin.

(N.N.: Joseph Hermann Schmidt. In: Westfälische Biographien, hrsg. von Altertumsverein Paderborn und Verein für Geschichte Paderborn. Online-Ausgabe unter http://www.westfälische-biographien.de/biographien/person/1939 (Version vom 02.08.2016, abgerufen am 20.10.2016)

Wikipedia: Joseph Hermann Schmidt – Wikipedia

Berufspraxisstufenkonzept

Aus den Erfahrungen der Praktika in Werkstätten für behinderte Menschen bzw. im Berufsförderlehrgang entwickelte sich folgendes Konzept für die Ober- und Berufspraxisstufe mit dem Ziel, die Schüler besser auf das Arbeitsleben vorzubereiten, indem sie:

  • mit anderen Lernen den aus anderen Klassen zusammenarbeiten
  • andere Lehrer kennenlernen
  • einen Schultag lang an einer Aufgabe arbeiten
  • Aufgaben für die Schulgemeinschaft ausführen
  • ausdauernd arbeiten
  • handwerkliche Geschicklichkeit entwickeln

Unterstützte Kommunikation

Auch an unserer Schule gibt es Schülerinnen und Schüler, die nicht oder nicht ausreichend sprechen können.

Um diesen Schülerinnen und Schülern eine möglichst erfolgreiche Kommunikation ermöglichen zu können, nutzen wir an der Schule:

  • Blickbewegungen
  • Mimik, Gestik und Körperhaltung
  • Gebärden (lautsprachunterstützend mit Gebärden der DGS)
  • Kommunikationsmappen (hier vor allem die MOHECO-Mappen)
  • Symbole (hier vor allem PCS nach BOARDMAKER)
  • Fotos
  • sowie elektronische Kommunikationshilfen (z.B. Geräte der GoTalk-Familie, einfache Hilfen zur Umfeldsteuerung wie Taster und BIGmack sowie komplexe Geräte wie SmallTalker).

Das Konzept der UK betont die Beachtung und Akzeptanz aller vorhandenen Kommunikationsformen.
Weiterführende Informationen sind erhältlich auf der Internetseite der ISAAC - Gesellschaft für UK: www.isaac-online.de.

Beispiel aus der Förderung

Konzeptionelle Überlegungen für die Durchführung von Fördermaßnahmen im Bereich UK an der Hermann-Schmidt-Schule

Der Anteil der nicht, kaum und schwer verständlich sprechenden Schülerinnen und Schüler an der Hermann-Schmidt-Schule liegt bei bis zu 50%, so dass eine Förderung im Bereich der UK einen besonderen Stellenwert an unserer Schule hat.

Seit dem Schuljahr 2005/06 ist der Einsatz ausgewählter Symbole (PCS nach Boardmaker) im Verbund mit Gebärden (Deutsche Gebärdensprache DGS) verbindlich. Einschulungsklassen seit dem Schuljahr 2005/06 arbeiten mit diesen Symbolen und Gebärden; „ältere Jahrgänge" gehen immer mehr dazu über, ebenfalls mit Gebärden und PCS zu arbeiten. Es existiert von der fest installierten Fachkonferenz UK bereits ein „Grundvokabular" für verschiedene Bereiche (z.B. „Stundenplan/Tagesstruktur", „Lebenspraxis") als CD und DVD. Darüber hinaus sind in den Arbeitskreisen Unterstützte Kommunikation des RP Detmold Materialien zum Zielvokabular (die 100 am häufigsten verwendeten Worte in der deutschen Sprache) erstellt worden, die mit Fortbildungen in die Kollegien getragen werden. Die Hermann-Schmidt-Schule hat im Schuljahr 2011/2012 an dieser Fortbildung teilgenommen.

Auch im Schulalltag treffen alle Menschen an der Hermann-Schmidt-Schule immer wieder auf Unterstützte Kommunikation: so befinden sich an verschiedenen Orten fest angebrachte BIGmacks, die als Übermittler von täglichen Informationen dienen. Alle Räume und Hinweisschilder der Schule sind mit PCS-Symbolen gekennzeichnet. In den Fluren finden sich die Schilder mit den Gebärden und PCS der Woche.

Ein separater UK-Raum wird genutzt für: Geräteausleihe, Geräteerprobung, Einzel- und Kleingruppenförderung, Beratung (Kollegen und Eltern), Diagnostik und Materialsammlungen (z.B. Kommunikationstafeln, Gebärdenliederbuch, Boardmaker-Tafeln).

Die Schule ist festes Mitglied im Arbeitskreis „UK an Förderschulen mit dem Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung" (AK UK) im RP Detmold und nimmt an den regelmäßigen Tagungen des Arbeitskreises mit jeweils zwei Vertretern des Kollegiums teil.